Anke Klöpper endlich „Queen of the Roads“
FRIESENSPORT – Ausnahme-Werferin holt im zehnten Anlauf den Titel, der ihr noch fehlte – Wertvolle Erfahrung
von Marian Jahnke
BALLINCURRIG/IRLAND. Für Ostfrieslands Aushängeschild im Friesensport, Anke Klöpper, aber auch für die Junioren Joost Kleemann und Wenke Abken war der friesensportliche Abstecher nach Irland ein Wochenende, das sie wohl niemals vergessen werden. Zum ersten Mal standen die beiden Nachwuchswerfer aus Westeraccum und Utarp-Schweindorf beim „King and Queen of the Roads“ in Irland an der Startlinie – für Klöpper Versuch Nummer zehn – endlich mit dem Titel gekrönt.
Jugend sorgt für Staunen
Gerade Joost Kleemann sorgte dabei für einige erstaunte Gesichter. Der gerade einmal 14-Jährige wirkte auf der großen internationalen Bühne erstaunlich abgeklärt. Wurf für Wurf setzte er seine Kugel wie ein Uhrwerk auf die Straße, ließ sich weder von der Kulisse noch von der starken Konkurrenz beeindrucken und zeigte einen herausragenden Wettkampf. Sein letzter Wurf hatte eine beeindruckende Geschwindigkeit von 82 km/h, bei der er den Männern nicht viel hinterher stand.
Doch auch Wenke Abken stand ihm dabei in nichts nach. Gemeinsam bildeten die beiden ein starkes deutsches Duo und konnten sich zwischenzeitlich sogar einen Wurf Vorsprung auf die Konkurrenz erarbeiten. Lange sah es so aus, als könnten die beiden bei ihrer internationalen Premiere tatsächlich um den Sieg kämpfen.
Dann aber zeigten die Gastgeber ihre Klasse. Mit einigen herausragenden Würfen kamen Méabh Cuinneau und Gerald McDonagh wieder heran. Auch die Niederländer Lotte Telgenhof oude Koehorst und Mike Scholtenhave blieben in Schlagdistanz. Am Ende entwickelte sich auf der letzten Geraden ein echter Krimi. Alle drei Teams lagen vor dem Ziel nur wenige Meter auseinander.
Die Iren sicherten sich aber auf ihrer Heimstrecke mit einem starken Schlussspurt den Sieg. Die Niederländer wurden Zweite, Kleemann und Abken belegten den dritten Platz. Das Ergebnis sorgte zunächst für Enttäuschung, nachdem man lange geführt hatte, rückte allerdings für die beiden deutschen Nachwuchswerfer schnell in den Hintergrund. Joost und Wenke zeigten gemeinsam, dass die deutsche Jugend auch auf internationaler Bühne mithalten kann.
Klöpper schreibt Geschichte
Anke Klöpper war bereits zum zehnten Mal in Irland und stand vor ihrem dritten Finale. Dieses Mal allerdings nicht gegen Silke Tulk oder Kelly Mellon, die den Wettbewerb in den vergangenen 17 Jahren nur einmal nicht für sich entscheiden konnten. Beide waren bereits im Halbfinale ausgeschieden. Klöpper traf stattdessen auf Hannah Sexton.
Es entwickelte sich ein spannendes Finale. Die Ostfriesin musste nach einem nicht optimalen Start zunächst einem Rückstand hinterherlaufen. Doch mit präzisen Würfen durch die besonderen irischen Kurven vorbei am dicht gedrängten Publikum kämpfte sie sich zurück, stellte sich für den nächsten Wurf besser und übernahm die Führung. Sexton blieb lange in Reichweite, doch Klöpper ließ sich den Vorsprung nicht mehr nehmen.
Am Ende holte sich die FKV-Werferin erstmals den Titel der „Queen of the Roads“ und stellte damit sogar den bestehenden Streckenrekord von Silke Tulk ein. Mit Freudentränen überströmt und fassungslos vor Freude nahm die 33-jährige Ausnahme-Athletin des Friesensports ihre Eltern in die Arme, ließ sich feiern und auf Schultern getragen hochleben.
Für die Nachwuchswerfer war dieser Moment gleichzeitig ein besonderer Abschluss ihres eigenen Wettkampftages. Sie hatten nicht nur selbst erlebt, wie es sich anfühlt, vor internationalem Publikum zu werfen, sondern konnten anschließend hautnah miterleben, wie eine deutsche Werferin den größten Titel des Wochenendes nach Deutschland holte. Und wer Joost Kleemann nach seinem Wettkampf ins Gesicht schaute, konnte erkennen, dass das Kapitel „King and Queen of the Roads“ für ihn noch nicht abgeschlossen sein dürfte.
Starke Konkurrenz im Halbfinale
Bereits am Samstag standen die Halbfinals der Herren auf dem Programm. Mit Fabian Schiffmann war auch ein weiterer deutscher Werfer im Einsatz. Dabei hatte er mit seiner zugelosten Paarung eine besonders schwierige Aufgabe erwischt. Die Konkurrenz war hochkarätig, und die irische Strecke verlangte den Teilnehmern einiges ab. Schiffmann ließ sich davon jedoch nicht beeindrucken. Trotz der starken Gegner verkaufte er sich ordentlich. Für den Einzug in das große Finale reichte es diesmal zwar nicht. Im Männerfinale setzte sich schließlich der Titelverteidiger Arthur McDonagh durch und wurde zum „King of the Roads“ gekrönt.
Kuriose Rückreise
Doch auch die Rückreise hielt noch eine kleine Geschichte bereit. Zwei FKV-Fahrer verpassten den geplanten Rückflug am Gate und machten sich erst einige Stunden später auf den Weg in Richtung Amsterdam. Während der Großteil der Reisegruppe bereits die Heimreise antrat, mussten die beiden unfreiwillig noch etwas länger in Irland bleiben. Mit einer Verspätung von zwei bis drei Stunden ging es schließlich auch für sie weiter. So endete eine ereignisreiche Reise, die sportlich wie gemeinschaftlich viele Höhepunkte bot.
Quelle: Anzeiger für Harlingerland vom 23.09.2026
