Fortsetzung wird unwahrscheinlicher

BOSSELN – Die Verlängerung des Lockdowns und der Plan der Landesregierung machen wenig Hoffnung

Von Jochen Schrievers

OSTFRIESLAND. Die Friesensportler der Region müssen sich wohl auf einen Abbruch der laufenden Boßelsaison einstellen. Erst vier der 18 Spieltage in den überregionalen Staffeln sind absolviert, eine Fortsetzung des Spielbetriebs ist zeitlich kaum umzusetzen.

Noch mindestens bis zum 7. März gelten die verschärften Lockdown-Regeln mit den Kontaktbeschränkungen. Danach soll das öffentliche Leben Schritt für Schritt wieder aufgenommen werden, der Breitensport steht in der Prioritätenliste dabei eher unten auf der Liste. Wann Wettkämpfe überhaupt wieder erlaubt sein werden, vermag noch niemand zu sagen. Die niedersächsische Landesregierung hat einen Stufenplan erstellt, bei welchen Corona-Fallzahlen verschiedene Aktivitäten möglich sein könnten. Der Plan liegt dem Landtag zur Abstimmung vor. Landesregierung macht Vorgaben

Der Plan der Landesregierung sieht vor, dass Breitensport für Mannschaften erst ab einer Inzidenz von weniger als 50 Fällen pro 100 000 Einwohnern in den vergangenen sieben Tagen wieder möglich ist. Doch selbst bei diesem Wert gelten noch Beschränkungen. So wäre hier die Gruppengröße auf 30 Sportler begrenzt. Wettkämpfe der Männer I dürften demnach noch nicht stattfinden, da zwei 16er-Mannschaften schon ohne Bahnweiser und Ersatzwerfer diese Gruppengröße überschreiten würden.

Eine wirkliche Fortsetzung des Spielbetriebs wäre unter einer Inzidenz von 25 erlaubt, da dann die maximale Gruppengröße auf 60 angehoben wird. Uneingeschränkt wäre Sport erst unter einem Wert von zehn Fällen pro 100 000 Einwohner zulässig. All diese Werte beziehen sich nicht auf die betroffenen Landkreise, sondern auf den Wert für ganz Niedersachsen. Der liegt derzeit bei etwa 65.

Nun ließe sich streiten, ob Boßeln zu den Kontaktsportarten gehört, auf die sich diese Begrenzungen in erster Linie beziehen. Da mit gemeinsamen Kugeln geworfen wird und nicht gänzlich auszuschließen ist, dass neben dem Werfer auch andere Sportler mit der Kugel in Kontakt kommen, muss Boßeln wohl zu den Kontaktsportarten gezählt werden. Zudem unterscheidet die Landesregierung zurzeit auch nur zwischen Individual- und Kontaktsportarten, sodass diese Frage in den Hintergrund rückt. Spielbetrieb würde bis ende Juli dauern

Sollten die Fallzahlen weiter stark sinken und eine Öffnung des Breitensports noch im März erfolgen, rücken neue Probleme auf den Plan. Zunächst einmal müsste den Mannschaften Zeit gegeben werden, das Training wieder aufzunehmen. Das wäre aufgrund der Gruppengröße schon unter einer Inzidenz von 50 möglich. Die anstehenden Feiertage könnten die weitere Terminplanung verzögern. Denn wenn die Auflagen gelockert werden, ist gerade an der Küste mit erhöhtem Verkehr durch Touristen zu rechnen, was auf einigen Strecken einen geregelten Spielbetrieb nahezu unmöglich macht. Am ersten Aprilwochenende ist Ostern, eine Fortsetzung der Saison würde demnach frühestens am 10./11. April erfolgen. Weitere spielfreie Wochenenden stünden am 1./2. Mai und an Pfingsten (22./23. Mai) auf dem Plan. Damit würde das Saisonende auf den 25. Juli fallen und damit mitten in die heiße Urlaubsphase. Auch das ist vielerorts kaum darstellbar, da eine gemeinsamen Nutzung der Straßen durch Boßler und auswärtige Autofahrer deutliche Gefahren mit sich bringt. Organisation liegt bei Ehrenamtlichen

Neben den Problemen, die der Zeitplan so schon mit sich bringt, bliebe die Ungewissheit, ob nicht doch steigende Corona-Zahlen oder lokale Ausbrüche für weitere Verzögerungen sorgen.

Der organisatorische Aufwand liegt komplett in den Händen von ehrenamtlichen Helfern. Denn anders als in der Fußball-Bundesliga gibt es in den Kreis- und Landesverbänden oder beim FKV keine hauptamtlichen Spielplangestalter. Zudem stellt sich die Frage, wie mit Mannschaften verfahren wird, die aufgrund der Corona-Situation nicht weiter am Spielbetrieb teilnehmen wollen. Sei es, weil einzelne Werfer selbst zu den Risikogruppen gehören, oder sie wegen der Gesamtlage auf Kontakte weitgehend verzichten möchten.

All diese Umstände machen es den Verantwortlichen in den Verbänden nahezu unmöglich, eine gesicherte Planung für den weiteren Saisonverlauf aufzustellen. Daher wurde aus einigen Kreisen der Wunsch nach einem Abbruch laut. Viele Boßler wünschen sich eher eine geregelte und ausgiebige Vorbereitung auf die nächste Spielzeit, als jetzt auf Krampf weiterzumachen. Ein Sommer mit Training und einzelnen Freundschaftswettkämpfen ist sicherlich leichter umzusetzen, als eine Saison, die eventuell erneut unterbrochen werden müsste.

Quelle: Anzeiger für Harlingerland vom 12.02.2021
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Boßler müssen weiter warten

FRIESENSPORT – Offene Fragen bei Fortsetzung der Saison

von Jochen Schrievers

OSTFRIESLAND. Im März geht normalerweise die Boßelsaison in Ostfriesland zu Ende. Auf den Meisterfeiern treffen sich die Sportler der kompletten Liga, um nach den Duellen auf der Straße die Sieger zu ehren und gemeinsam die Saison bei dem einen oder anderen Getränk die Saison Revue passieren zu lassen. Das hat im vergangenen Jahr nicht geklappt. Das Saisonfinale wurde erst Ende September absolviert, nur noch die relevanten Partien ausgetragen und auf große Feiern verzichtet. Auch in diesem Jahr wird es Ende März noch keine neuen Meister geben.

Zu Beginn des aktuellen Lockdowns haben die Verantwortlichen der Landesverbände und des Friesischen Klootschießerverbands (FKV) gesagt, dass es Ziel sei, die Saison so zu Ende zu bringen, dass die neuen Meister auf sportlichem Weg ermittelt werden. Daran hat sich nichts geändert, aber ob das Ziel erreicht werden kann, bleibt offen. Das ursprünglich angesetzte Saisonfinale Ende März ist nicht mehr zu halten. In den überregionalen Staffeln sind noch 14 Spieltage offen.

Wann es überhaupt weitergehen kann, vermag noch niemand zu sagen. Der Vorstand des LKV Ostfriesland wird sich in den kommenden Tagen mit dem verlängerten Lockdown und eventuellen weiteren Einschränkungen befassen. Sollten die derzeitigen Maßnahmen am 31. Januar enden, wird es dennoch nicht sofort losgehen können.

Ob die Saison wie geplant mit allen Spieltagen über die Bühne gehen kann, daran bestehen zumindest Zweifel. Denn selbst wenn es im Februar weitergeht, heißt das nicht, dass die Boßler fortan jedes Wochenende Wettkämpfe austragen können. Die Saison würde sich bis in den Sommer strecken.

Zum einen kann es sein, dass es zu einem späteren Zeitpunkt aufgrund hoher Infektionszahlen wieder zu Einschränkungen kommt. Doch auch ein zügiges Absinken der Fallzahlen kann Probleme mit sich bringen. Sollten über Ostern oder Pfingsten wieder Touristen an die Küste kommen, ist an einen sicheren und geregelten Spielbetrieb auf vielen Strecken nicht zu denken. Eines steht schon jetzt fest, bis die neuen Meister ermittelt sind, wird es noch eine ganze Zeit dauern.

Quelle: Anzeiger für Harlingerland vom 08.01.2021
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